Physiotherapie

Voll „eglich“! Blutegelbehandlung beim Pferd

Blutegeltherapie am Pferd:

Im April ergriff ich kurzerhand die Möglichkeit einen Kurs zur Blutegeltherapie beim Pferd zu besuchen. Die Bibertaler Blutegelzucht bietet diese zur Fort- und Weiterbildung für Tiertherapeuten und Tierärzte an. Ich wollte die kleinen glibberigen Wesen und ihre Geschichte kennen lernen.

Spat im Sprunggelenk

Blutegel sind wahre Meister der Natur. Ihr Speichel enthält entzündungs-, gerinnungshemmende und sogar schmerzstillende Substanzen. So werden Egel besonders bei Gelenks-, Sehenentzündungen (Huftrehe), Hautveränderungen (Mauke, Milben, Sonnenallergie), allergischen Reaktionen (Ekzemer) oder auch schlecht heilenden oder großflächigen Wunden eingesetzt.

Ihr Einsatzgebiet ist sehr umfangreich und sie finden sich auch bei der Behandlung von Gelenks- oder Muskelblockaden, Narbenstörfeldern, Blutergüssen, Abszessen und Gelenksgallen wieder.

Aber wie läuft das ab?

Leichter Sommerekzemer

Zunächst sollte die Blutegeltherapie in akuten Krankheitsfällen immer mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.

Die Egel werden extra, entsprechend des Aufwands, für den Patienten bestellt. Diese sind steril gezüchtet worden. Je nach größe des Egels saugt dieser in etwa 10-15 ml Blut. Wie viele Egel gesetzt werden müssen hängt von der Ausprägung und größe der betroffenen Stelle ab.

Nach dem Saugakt fallen die vollgesaugten Egel ab. Die Einbissstelle kann noch bis zu 24 Stunden nach der Behandlung leicht nachbluten.

Doch diese Egel sind echte Ekel wenn es ums Beißen geht. Die kleinen Diven mögen es nicht zu warm, nicht zu kalt, keine Erschütterungen und keinen Lärm. Die Ansatzstellen sollten vorher nicht eingesprüht oder gewaschen werden, denn auch bei Duftstoffen reagiern sie schockiert. Bei Gewitter oder Schwüle sollte man die Behandlung verschieben, denn dann heißt es „Egel-Siesta“ und nicht „Guten Hunger“.  Hat ein Egel dann doch gebissen kommt es ab und zu mal vor, dass er während dem Saugen einschläft. Stupst man ihn leicht an, wacht dieser wieder auf.

Für eine Egel-Behandlung sollten in der Regel 60-90 min. eingeplant werden. Ist der Egel fertig fällt er von alleine ab. Ein abziehen mit Gewalt kann zu Wundinfektionen führen.

2-4 Egel pro Huf

Fallbeispiele:

1. Ein ca. 12 Jahre alter Hafiwallach. Seit 4 Jähriger steht er im gleichen Stall. 2011 hatte er 2 Jahre in Folge starke Hufrehe mit leichter Rotation rechts vorne. Auf Rat des Tierarztes wurde eine Blutegeltherapie im zweiten Hufrehejahr hinzugezogen. Die Erkrankung war deutlich schneller Abgeklungen. Sie behielten die Therapie bei und er wurde seit dem jährlich vor Beginn der Weidezeit präventiv geegelt. Seit dem ist er Hufrehe frei und kann die Weidezeit wieder völlig normal genießen.

 

Auch bei starken Rotationen des Hufbeins ist eine Egeltherapie unterstüzend sinnvoll. Die Egel sorgen durch den Blutentzug zum Einen zu einem Druckausgleich im Huf und zum Anderen wird durch ihren Speichel die Durchblutung gefördert, Schmerzen gelindert und Entzündungen eingedämmt. Giftstoffe und Abbauprodukte können schneller abtransportiert werden und die Zellen des Hufes werden besser mit wichtigen Nährstoffen versorgt.

 

2. Narkolepsie Patient, 20 Jahre alt. Der Fuchswallach fällt krankheitsbedingt öfter hin. Er hat viele schlecht heilende Wunden. Hier eine Wunde am Sprunggelenk nach einem Sturz am Waschplatz. Die Wunde gingt ständig auf und wurde hier nun schon seit 3 Wochen mit Zinksalbe behandelt. Es wurden 1-2 Egel gesetzt und schon eine Woche später wuchs das Fell bereits nach.

Egel fördern und beschleunigen die Wundheilung, verhindern Narbenbildungen und unterstützen die Blutgefäße bei der Wundersorgung. Auch bei bestehenden Narbenstörfeldern können Egel das verklebte und eingezogene Gewebe lösen und Narben somit entstören.

3. Ekzemer: Hier eine 7 jährige Islandstute. Typischer Ekzemer, steht fast ganzjährig eingedeckt. Auch hier kann eine Egeltherapie im Winter oder Frühjahr, bevor die ersten Symptome auftreten, präventiv an den betroffenen Stellen eingesetzt werden. (Mähnenkamm, Schweif, Nabel) Der Speichel des Egels dämmt die allergischen Reaktionen (Pusteln, Juckreiz) ein und Mähne und Schweif werden nicht kahl gekratzt. Das Geld, das für unzählige Lotionen und Sprays ausgegeben wird kann so sinnvoller eingesetzt werden.

Andere Hautprobleme wie Abzesse, Mauke, Milben- oder Pilzinfektionen können ebenfalls unterstützend mit Egeln behandelt werden, auch dann wenn sie eitrig und entzündlich sind.

Sehnenproblematik

4. Zwei Reitpferde im mittleren Alter. Das eine mit Sehnenproblemen, hinten leicht durchtrittig, vorne alter Fesselträgerschaden.

Arthrose im Karpalgelenk

Das andere mit Arthrose im Karpalgelenk. Beide bekamen 4-6 Egel entlang der Problemzonen.

Sehnenproblematiken sind oft langwierig und lästig. Sehnen sind schlecht durchblutetes Gewebe und die Heilung dauert lange. Narben in Sehnengwebe bringen immer die Gefahr des erneuten Reißens mit sich. Auch hier fördern Egel die Durchblutung und steigern somit die Versorgung des Gewebes. Die Zellen werden angeregt Originalgewebe anstatt von Narbengewebe zu bilden. Die schmerzhemmenden Stoffe im Speichel sorgen bei schmerzhaften Erkrankungen zur Erleichterung für das Pferd. Entzündungen werden eingedämmt und somit ebenfalls die Heilung beschleunigt und unterstützt.

 

Wie schon gesagt, die Egel haben es in sich. Vielfältige Einsatzgebiete mit hoher Erfolgquote. Ich freue mich jetzt schon auf die „egliche“ Unterstützung.

 

Mehr dazu unter: http://www.blutegel.de/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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