Physiotherapie

Versammlungsbereitschaft im Becken

Schub- und Tragkraft der Hinterhand.
Für viele erst mal keine ganz so neuen Begriffe, die aber zurzeit die Reiterei regelrecht in zwei Lager spalten.

Das hier soll keine Trainingsanleitung werden, sondern ich möchte gerne eine Erkenntnis mit euch teilen, die mich auf meiner Fortbildung an diesem Wochenende erreichte:

Mehr oder weniger beiläufig in einem Nebensatz der Dozentin ausgesprochen, wurden ich und meine Physiokollegen hellhörig.
Zur Beurteilung der Versammlungsbereitschaft eines Reitpferdes schaut man sich zunächst das Exterieur an. Speziell an der Hinterhand schauen wir auf die Winkelung der Gliedmaße aber auch der Stellung des Beckens im Raum.

Je flacher das Becken im Pferdekörper steht, desto geringer die Versammlungsbereitschaft.

Natürlich können auch diese Pferde Versammlung lernen, aber es wird ihnen vermeintlich schwerer fallen, als Pferden mit einem Becken, das von Haus aus schon mehr in einer Beugung steht.

Es gibt allerdings einen Gesichtspunkt, der sehr unscheinbar erscheinen mag, aber dennoch für viele „AH!“-Gesichter gesorgt hat.

Nicht nur der Winkelung des Beckens sollte Beachtung geschenkt werden, aber dazu unten mehr.

Ein Becken besteht aus zwei Beckenschaufeln.
Diese Beckenschaufeln bestehen jeweils aus drei Anteilen:

Os ilium – Hüftbein (Hüftbein-/Kreuzbeinhöcker)

Os pubis – Schambein

Os Ischii – Sitzbein (Sitzbeinhöcker)

Das Hüftbein hat gleich zwei prominente Knochenvorsprünge zum Fühlen.

Zum einen den Hüfthöcker, der seitlich an der Hinterhand hinter der Flanke gefühlt werden kann und zum anderen den Kreuzbeinhöcker, welcher oben im Verlauf der Mittellinie des Pferderückens ertastet werden kann.

Das Sitzbein mit dessen prominenten Sitzbeinhöcker kann hinten unterhalb des Schweifansatzes an der Hinterhand gefunden werden.

Vergleicht man nun die (Höhen-)Lage der zu ertastenden Knochenpunkte, kann man die ungefähre Stellung des ganzen Beckens im Pferd erkennen und somit schon erste Rückschlüsse zur Fähigkeit des Abkippens ziehen.

Der weitere spannende Punkt ist nun aber auch das Längenverhältnis der Beckenanteile.
Vor allem das Längenverhältnis von Darmbein und Sitzbein.

Das Hüftgelenk wird gebildet aus der Gelenkpfanne des Beckens, die aus allen drei Anteilen des Beckens besteht und aus dem Gelenkkopf des Oberschenkels.
Hier ist Drehpunkt des Abkippens.

Je länger nun der Hebel über das Sitzbein im Vergleich zum Darmbein und je gebeugter der Winkel im gesamten Becken, desto mehr Kraftentfaltung zum Abkippen des Beckens kann entstehen. Dem Pferd wird es leichter fallen mit dem Becken abzukippen und mit der Hinterhand unter den Körper zu treten.

Es kann also leichter Last mit der Hinterhand aufnehmen und tragen.

Ist nun das Sitzbein kürzer und das Becken steht horizontaler im Raum wird es ihm schwerer fallen und es benötigt hierfür deutlich mehr Kraft der Muskulatur.

Es wird also lieber in den Schub gehen und die Hinterbeine nach hinten herausschieben.

Wichtig ist hier zu erwähnen, dass das Sitzbein von Natur aus kürzer ist als das Darmbein. Hier zählt nicht je länger desto besser, denn auch ein sehr langes Sitzbein, kann unter Umständen die Schubentwicklung der Hinterhand beeinträchtigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.