Mein Werdegang als Pferdephysiotherapeutin, Pferdeosteopathin und Trainerin: Der Weg zu einer ganzheitlichen Betreuung von Pferden

Schon als Kind wusste ich, dass ich mit Pferden arbeiten wollte. Diese Leidenschaft hat mich nie losgelassen und mich Schritt für Schritt dahin geführt, wo ich heute stehe – als Pferdephysiotherapeutin, Pferdeosteopathin und Trainerin. Mein Werdegang war nicht immer geradlinig, doch gerade die Herausforderungen und Lernprozesse haben mich zu der Fachfrau gemacht, die ich heute bin. In diesem Beitrag möchte ich dir mehr über meinen Weg erzählen und warum das Training ein unverzichtbarer Teil der Therapie sein sollte.

1. Der frühe Entschluss – Mein Weg in die Pferdephysiotherapie

Bereits vor meinem Abitur war für mich glasklar, dass ich Pferdephysiotherapeutin werden wollte. Diese Entscheidung habe ich aus tiefstem Herzen getroffen. Schon als Kind habe ich mich für Pferde interessiert und gelernt, wie wichtig die richtige Pflege und Betreuung für ihre Gesundheit ist. Um meine Vision zu verwirklichen, begann ich parallel zu meiner Ausbildung als tiermedizinische Fachangestellte in einer Tierarztpraxis auch eine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO).

Es war eine spannende und herausfordernde Zeit, in der ich nicht nur viel Wissen erwarb, sondern auch durch die Erfahrung in der Praxis merkte, wie sehr mir die Arbeit mit Pferden Freude bereitete. Ich bestand die Prüfung als Beste von allen Prüflingen und erhielt als Belohnung einen Gutschein für einen Weiterbildungstag am DIPO – ein Moment, der mich in meiner Berufung bestärkte.

2. Von der TFA zur Selbstständigkeit

Nach meiner TFA-Ausbildung, die ich aufgrund guter Leistungen um ein halbes Jahr verkürzen konnte, arbeitete ich zunächst halbtags beim Tierarzt und den Rest der Zeit als Selbstständige. Die Arbeit als Pferdephysiotherapeutin war unglaublich erfüllend. Es gab mir die Möglichkeit, mein Wissen in der Praxis umzusetzen und den Pferden individuell zu helfen. Diese Erfahrung war sehr wertvoll für mich, denn sie gab mir die nötige Sicherheit, um den nächsten Schritt in meiner beruflichen Entwicklung zu gehen.

Parallel dazu bildete ich mich weiter: Ich absolvierte eine Ausbildung zur Tierosteopathin und eine Weiterbildung in Blutegeltherapie. Doch nach einiger Zeit erkannte ich, dass Therapie allein nicht ausreicht. Die Probleme, mit denen ich immer wieder bei den gleichen Pferden konfrontiert war, ließen sich oft nur mit einer Kombination aus Therapie und Training nachhaltig lösen. Die Erkenntnis, dass das Training ein essenzieller Bestandteil der Therapie ist, wurde immer klarer für mich.

3. Warum Training Teil der Therapie sein muss

Ich begann, mich intensiver mit dem Thema Training auseinanderzusetzen. Mir wurde klar, dass die besten Ergebnisse nur durch eine ganzheitliche Betreuung des Pferdes erzielt werden können.

Therapie allein ist oft nicht genug, um langfristige Verbesserung zu erreichen – es braucht das richtige Training, das die körperlichen Voraussetzungen stärkt und gleichzeitig das Pferd auf eine gesunde, natürliche Weise fordert.

Das war der Moment, in dem ich mir bewusst wurde, dass Therapie und Training Hand in Hand gehen müssen. Ohne das passende Training können die Erfolge aus der Therapie nur schwer aufrechterhalten werden. So rückte das Training immer mehr in den Vordergrund, nicht nur als Ergänzung zur Therapie, sondern als gleichwertiger Bestandteil des gesamten Konzepts zur Förderung der Pferdegesundheit.

4. Die Suche nach mehr

Die Arbeit mit den Pferden faszinierte mich, doch das Reiten war für mich lange ein ungelöstes Rätsel. Ich konnte mich auf dem Pferd halten und war eine geübte Reiterin, aber ich wusste, dass es da noch mehr gibt. Ich wollte mehr über die Kommunikation mit dem Pferd erfahren, mehr über die feinen Nuancen der Reiterei, die einen echten Unterschied machen.

Früh schon begann ich, mich intensiv mit verschiedenen Ausbildungssystemen auseinanderzusetzen. Ich beschäftigte mich mit Natural Horsemanship, Freiheitsdressur, Klickertraining und auch Zirkuslektionen. Ich lehrte meine Pferde Zirkuslektionen wie Steigen, Kompliment, Spanischer Schritt und Liegen, um ihre natürliche Beweglichkeit zu fördern und die Kommunikation zu vertiefen. Doch trotz all dieser Erfahrungen fehlte mir immer noch der Schlüssel, wie man das Reiten auf eine tiefere Ebene bringt.

Schließlich führte mich mein Weg zu einer Trainerin, die bei Bea Borell gelernt hatte. Über sie kam ich in Kontakt mit der Ecole de Légèreté und entschied mich, eine Trainerausbildung bei einer Schülerin von Philipp Karl zu beginnen. Doch schnell merkte ich, dass das System für mich zu starr und technisch war. Es passte einfach nicht zu mir, und so entschied ich mich, die Ausbildung vor dem Abschluss zu beenden. Diese Entscheidung war keine Niederlage, sondern ein Schritt, um meinen eigenen Weg zu finden. Manchmal passt es einfach nicht.

5. Lernen aus Fehlern – Die Bedeutung der Selbstbildung

Obwohl ich die Ausbildung nicht abschloss, ließ mich das nicht entmutigen. Im Gegenteil, ich begann, mich intensiv selbst weiterzubilden. Von Seitengängen über Piaffe und Passage bis hin zu beginnenden fliegenden Wechseln – ich experimentierte und lernte durch die Fehler, die ich machte. Fehler sind ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses. Heute bin ich dankbar für all die Fehler, die ich gemacht habe, denn sie haben mir geholfen, meinen eigenen Weg zu finden und zu wachsen.

Häufig startete ich die Pferde, die ich ritt, immer wieder neu, jedes Mal mit einem etwas anderen Konzept, einem neuen Ansatz. Aber das Wichtigste war, dass ich aus jedem Fehler lernte und mich weiterentwickelte. Heute erkenne ich, dass das stetige Streben nach Verbesserung der Schlüssel ist, um die Pferde wirklich zu verstehen und zu unterstützen.

6. Der Wendepunkt

Mit dem Gedanken „Sie wird mich bestimmt nicht nehmen“ wendete ich mich an Sonja Weber, eine Trainerin, die mich sehr beeindruckte. Zu meiner Überraschung durfte ich zu ihr kommen. Ich nahm gleich beide Pferde mit und begann eine ganz neue Reise. Sonja´s Unterricht war ernüchternd, denn er Griff gezielt in alle Baustellen. Das Problem bei der Wurzel greifen mag frustrierend erscheinen, das ist es auch in großen Teilen, doch es lehrt auch wie wichtig es ist, sich ständig weiterzuentwickeln und offen für neue Wege zu sein.

Die Arbeit mit Sonja hat meine Reiterei und mein Verständnis für Pferde grundlegend beeinflusst. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich immer wieder neu auszurichten und die eigene Entwicklung voranzutreiben.

7. Quidam – Der Beginn einer neuen Reise

Nach fast 10 Jahren mit zwei mir zur Verfügung gestellten Stuten, die mich ebenfalls viel lehrten, trennten sich die Wege mit diesen beiden leider. Doch wie es im Leben oft der Fall ist, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Durch Sonja kam ein Kontakt nach Portugal zustande, und so reiste ich zu den Lusitanos. Und dort fand ich Quidam, meinen 4-jährigen Lusitano. Der Kauf war eine spontane und auch herausfordernde Entscheidung, aber sie führte zu einer neuen und aufregenden Phase in meinem Leben.

Wie es oft im Leben kommt, konnte ich mit ein wenig Verspätung doch noch Teil der Trainerausbildung werden – eine Chance, für die ich unglaublich dankbar bin. Diese Ausbildung bietet mir nicht nur die Möglichkeit, mich kontinuierlich weiterzubilden, sondern auch einen intensiven Austausch mit meinen Trainerkollegen und Kolleginnen. Dieser Dialog ist für mich von unschätzbarem Wert, da ich nicht nur meine reiterlichen Fähigkeiten vertiefen kann, sondern auch mein neu gewonnenes Wissen direkt in meine Arbeit mit Schülern, Kunden und Trainingspferden einfließen lasse. So kann ich noch gezielter und effektiver helfen.


Fazit

Das Training gerade das Reiten ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Nur durch die Kombination aus fundierter Therapie und gezieltem Training kann man nachhaltige Ergebnisse für das Pferd erzielen und ein gesundes und leistungsfähiges Reitpferd erhalten. Es geht nicht nur darum, Symptome zu behandeln, sondern das Pferd in seiner gesamten Bewegungsfähigkeit zu unterstützen und zu fördern.