
Haflinger kämpfen leider oft mit einigen Vorurteilen. Sie sind dick, verfressen, faul und sturr.
Vorurteile mit denen leider einige Ponyrassen zu kämpfen haben und die meiner Meinung nach ihnen in keinem Fall gerecht werden, sondern oft entweder hausgemacht sind oder von mangelndem Verständnis für das Pferd zeugen.

Haflinger Scotch brachte zu Beginn einige Baustellen mit. Er war sehr schreckhaft und wurde dabei leider auch regelmäßig kopflos. Losreißen und Umrennen des Menschen inklusive. Auch beim Reiten zeigte sich seine enorme Unsicherheit durch losrennen und ignorieren des Zügels.
Heftiges und exzessives Kauen auf dem Gebiss mit tropfendem Schaum vom Maul waren nur die Sahnehaube an Anzeichen für seine Unsicherheiten und den Stress, den er hierdruch hatte.
Balanceverlust war seine größte Angst, die sich vor allem im Galopp durch plötzliches losrennen und ein hohes Grundtempo zeigte.

Gleichzeitig zu seinen Unsicherheiten war er aber sehr motiviert und überaus engagiert beim Erlernen neuer Lektionen, auch wenn sie ihm Schwierigkeiten bereiteten.

Zu Beginn der Zusammenarbeit zeigte sich Scotch freundlich, aber auch scheu. Leider hatte er einige schlechte Erfahrungen mit dem Menschen erlebt, da er durch seine kopflose Angst auch das ein oder andere Mal durch Zäune gegangen ist.
Anbinden war immer mit Vorsicht zu behandeln, da er auch hier schon gelernt hatte sich gezielt loszureißen und so Halfter und Stricke kaputt zu machen.


Scotch startete am Boden mit Führübungen und Longenarbeit.
Anhalten, Angehen, Rückwärts sowie Schulter- und Hinterhandverschiebungen.

Nach und nach kam auch das Reiten dazu. Er lernte Seitengänge auch wenn diese ihm zunächst große Schwierigkeiten bereiteten, da er hier natürlich seine Balance verändern musste. Wollte man zu viel wurde nach dem Schenkel getreten.
Viel Ruhe, Pause und konsequentes kleinschrittiges Üben halfen ihm jedoch schnell. Zunächst im Schritt und später auch im Trab.

Galoppiert wurde nur für den Einsprung. Wenige Sprünge Galopp und schon wieder zurück um ein losrennen zu vermeiden, aber dennoch die positiven Effekte des Angaloppierens zu haben.
Auch im Gelände wurde der Wallach immer selbstbewusster. Sein Schreckverhalten änderte sich mehr und mehr von kopflosem losrennen zum kurzen Schreck mit stehen bleiben und anschauen des „Grauens“.
Durch einen Stallumzug änderte sich auch die Fütterung. Von Heulage zu Heu, was den massiven Wassereinlagerungen nach und nach den Nährboden nahm. Der Wallach verlor gut an Fett und baute mehr und mehr Muskulatur auf.




Mittlerweile konnte ein ganzer Zirkel ohne losrennen galoppiert werden und die ersten Schritte Piaffe bot er freudig an. Seine Versammlungsbereitschaft steigerte sich und er wurde lockerer und feiner zu reiten.





Mittlerweile ist aus dem dicken Haflinger ein sportlicher Allrounder geworden. Er ist zwar immer noch kein Held und schickt lieber einen Kumpel nach vorne wenn es gruselig wird, aber es gibt keine Momente mehr der völligen Kopflosigkeit oder des Losreißens. Freudiges brummeln bei der Arbeit ließ schon so einige Herzen Schmelzen, denn wenn er etwas gut gemacht hat, dann muss das jeder wissen.

Scotch bereitet große Freunde unter dem Sattel sowie an der Hand oder auch in der Freiarbeit. Er ist voller Elan bei der Sache und lässt sich für alles gewinnen.
Piaffe, spanischer Schritt oder eine schöne Galopptour, alles ist möglich ohne den Kopf zu verlieren. Sogar Anhänger fahren.
Gleiches Pferd, gleicher Reiter, gleicher Sattel (der allerdings mittlerweile auch gewechselt wurde, da sich der Haflinger so stark verändert hat und der alte Sattel nicht mehr passte).
Der Haflinger stand während der Zeit durchgehend mit 24h Heu und ist für mich das beste Beispiel, dass zu erst das Training und die Bewegung angepasst werden sollten bevor man seinem Pferd das Futter stark rationiert.

Zusätzlich zur guten Gewichtsabnahme hat sich der Wallach sehr in seiner Körperwahrnehmung, Haltung und Muskulatur verbessert. Daraus resultierend ein ausgeglicheneres Gemüt sowie gesteigerte Motivation im Training.
Hier wurde aus dem Kaltblut ein waschechter Haflinger.
Allrounder in allen Disziplinen.


