Wer regelmäßig reitet, weiß, wie wichtig ein passender Sattel ist – aber was ist mit dem Gurt? Der Sattelgurt spielt eine genauso zentrale Rolle bei der Bewegungsfreiheit und dem Wohlbefinden deines Pferdes.

In letzter Zeit lässt sich ein Trend zu kürzeren Gurten beobachten, aber gerade bei Kurzgurten gibt es einiges zu beachten. Ein falsch gewählter Gurt kann weitreichende Folgen für die Gesundheit deines Pferdes haben – und das oft mehr, als man zunächst vermuten würde.
Anatomie des Ellenbogens – Warum Gurte so problematisch sein können

Bevor wir uns mit den Auswirkungen eines falschen Gurtes befassen, schauen wir uns zunächst die Anatomie des Pferdes an, insbesondere den Ellenbogenbereich. Der Ellenbogenhöcker (Olecranon) befindet sich direkt am Ellenbogengelenk und bildet einen wichtigen Ansatzpunkt für mehrere Muskeln.
Besonders der Muskulus triceps brachii (dreiköpfiger Oberarmmuskel) und der Muskulus flexor digitalis profundus (tiefer Zehenbeuger – tiefe Beugesehne!) sind hier von Bedeutung. Diese Muskeln und Sehnen ziehen vom Ellenbogen hinunter zum Huf. Die tiefe Beugesehne, die durch Sehnenscheiden geschützt wird, bildet zusammen mit dem Hufbein und dem Schleimbeutel im Huf die sogenannte Hufrolle.



Wie ein unpassender Gurt das Pferd schädigen kann

Nun stell dir vor, wie unangenehm es wäre, wenn du bei jeder Bewegung mit deinem Ellenbogen an etwas anstößt. Genau dieses unangenehme Gefühl erleben viele Pferde, die mit einem unpassenden Sattelgurt gearbeitet werden.
Besonders Kurzgurte können, wenn sie nicht richtig passen, erhebliche Probleme verursachen:
- Hautirritationen und Entzündungen: Wenn die Gurtschnallen zu nah am Ellenbogen liegen, scheuern sie bei jedem Schritt an der empfindlichen Haut. Das führt schnell zu wunden Stellen, die sich entzünden können, oder zu narbigem Gewebe, das die Haut dauerhaft schädigt.
- Muskuläre Verspannungen: Der Trizepsmuskel und die tiefe Beugesehne werden durch einen falsch sitzenden Gurt stark beansprucht. Dies kann zu Verspannungen führen, die den Bewegungsablauf des Pferdes einschränken und schmerzhaft sein können. Besonders der Trizeps ist wichtig für den Raumgriff des Pferdes – das heißt, für die Beweglichkeit des Vorderbeins. Eine Verspannung des Muskels kann dazu führen, dass das Pferd seine Vorderbeine nicht mehr richtig nach vorne schwingen kann.
- Sehnenschäden und Lahmheiten: Eine Verspannung der tiefen Beugesehne kann zu Sehnenschäden wie Entzündungen, Rissen oder sogar Sehnenscheidenentzündungen führen. Auch Lahmheiten der Vorderbeine sind mögliche Folgen.
- Nervenreizungen und Taubheitsgefühle: Der Nervus ulnaris, der direkt am Ellenbogen entlang verläuft, kann durch wiederholte Reibung irritiert werden. Dies führt zu Nervenreizungen und kann unter anderem Taubheitsgefühle in den Vorderbeinen oder sogar Halswirbelsäulenprobleme verursachen.
- Knöcherne Zubildungen: Als Reaktion auf ständige Reibung können sich Überbeine (exostosen) am Ellenbogenknochen bilden, die den Bewegungsablauf zusätzlich beeinträchtigen.
Checkliste für deinen Sattelgurt
Der richtige Gurt ist unerlässlich, um Verletzungen und Verspannungen vorzubeugen. Achte bei der Auswahl auf folgende Punkte:
- Länge des Gurtes: Die Länge spielt eine entscheidende Rolle. Achte darauf, dass der Gurt genug Abstand zum Ellenbogen lässt. Auch Kurzgurte sollten lang genug gewählt werden, um den Ellenbogenbereich zu entlasten.
- Breite des Gurtes: Ein breiterer Gurt verteilt den Druck gleichmäßiger auf den Brustkorb des Pferdes und minimiert Druckstellen. Ein zu schmaler Gurt kann einschneiden und unangenehme Stellen hinterlassen.
- Ellenbogenfreiheit: Viele Gurte sind mittlerweile mit speziellen Aussparungen für den Ellenbogenbereich ausgestattet. Achte darauf, dass diese Aussparungen richtig positioniert sind und nicht nur einen optischen Effekt haben, sondern tatsächlich den Ellenbogen entlasten.
- Polster und Klettverschlüsse: Die Schnallen des Gurtes sollten immer unterpolstert sein und nie blank auf dem Fell aufliegen. Die Haut und das Fell können sonst beim Gurten oder während der Bewegung eingeklemmt werden. Ein Klettverschluss über den Schnallen bietet zusätzlichen Schutz beim Kurzgurt.
Gurtkontrolle gehört zur Sattelkontrolle
Viele Reiter achten auf den Sattel, vergessen jedoch, dass der Gurt ebenso eine wichtige Rolle spielt. Sprich daher ruhig deinen Sattler, Trainer oder Pferdetherapeuten darauf an, wenn du das Gefühl hast, dass dein Pferd Unbehagen hat oder sich verspannt.
Ein gut sitzender Sattel und Gurt tragen maßgeblich zur langfristigen Gesundheit und Bewegungsfreude deines Pferdes bei.

Fazit
Ein unpassender Gurt mag auf den ersten Blick keine dramatischen Auswirkungen haben, doch auf lange Sicht können Hautirritationen, Verspannungen und Sehnenschäden die Folge sein. Achte daher beim Kauf eines Gurtes auf die richtige Länge, Breite und Passform. Eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung des Gurtes ist ebenso wichtig wie die des Sattels, um deinem Pferd einen schmerzfreien und gesunden Bewegungsablauf zu ermöglichen.