Physiotherapie

Kommt die Zahnfee in den Pferdestall…

Wie der Mensch auch, durchläuft das junge Pferd im Laufe seines Wachstums einen Wechsel von Milchzähnen zu bleibenden Zähnen.

Insgesamt verstecken sich im Pferdemaul 36 bis 44 Zähne. Diese bestehen aus:

  • den Schneidezähnen (Incisivi)
  • dem Hengstzahn (Caninus)
  • den vorderen Backenzähnen (Prämolaren), zu denen auch der Wolfszahn (P1) zählt
  • den hinteren Backenzähnen (Molaren)

Unterteilt wird das Maul in 4 Teile. Oberkiefer (Maxilla), Unterkiefer (Mandibula) und die jeweilige linke und rechte Hälfte.

Gebiss mit Zahnbezeichnung

Bezeichnet werden bleibende Zähne mit einem Großbuchstaben, Milchzahnvorläufer mit Kleinbuchstaben, sowie der jeweiligen Nummer.

  • I/i : Incisivi
  • C: Caninus
  • P/p: Prämolaren
  • M: Molaren

Ein neugeborenes Fohlen besitzt keine Schneidezähne, wohl aber schon die Milchzähne der vorderen Backenzähne. (p2-p4)

Die Milchzahnvorläufer der Schneidezähne brechen mit 6-8 Tagen (i1), 6-8 Wochen (i2) und 6-8 Monaten (i3) durch.

Prämolaren und Milchzahnvorläufer der Prämolaren (Milchzahnkappen)

Die hinteren Backenzähne (Molaren) besitzen keine Milchzahnvorläufer. Hier brechen die bleibenden Zähne mit 1,5 Jahr (M1), 2,5 Jahren (M2) und 3,5-4 Jahren (M3) durch.

Während die hinteren Backenzähne hervor treten, wechseln die Schneidezähne und die vorderen Backenzähne.

Die bleibenden Zähne drücken von unten gegen die Milchzähne. Bei den Schneidezähnen verläuft dies meist sehr unproblematisch, während bei den Prämolaren oft feststeckende Milchzahnkappen zu Komplikationen führen. Die Reste der Milchzähne verkanten sich zwischen den Zähnen und hindern so den bleibenden Zahn am durchbrechen. Dieser baut einen enormen Druck auf und kann sog. Knäste bilden.
Dies sind große „Knubbel“ am Unterkieferknochen im Bereich der Prämolaren. Sie bilden sich wenn die bleibenden Zähne nicht nach oben herauswachsen können und der Druck nach unten zu groß wird. Diese Kappen müssen umgehend vom Tierarzt entfernt werden, da es große Schmerzen und bleibende Veränderungen am Kieferknochen hervorrufen kann.

Hengstzahn/ Hakenzahn

Der erste Schneidezahn auch Zange genannt (I1) und der erste vordere Backenzahn (P2) wechseln mit 2,5 Jahren. Der zweite Schneidezahn (Mittelschneidezahn, I2) und der zweite vordere Backenzahn (P3) mit 3,5 Jahren und der dritte Schneidezahn (Eckschneidezahn, I3) und der letzte vordere Backenzahn (P4) mit 4,5 Jahren.

Der Hengstzahn oder auch Hakenzahn (C) ist der letzte Zahn im Wechsel. Er tritt mit ca. 4-5 Jahre hervor. Oftmals bei Hengsten, allerdings können auch Stuten Hakenzähne aufweisen.

Mit anderen Worten: Während unsere Pferde mit 3 Jahren angeritten werden, befinden sich ca. 24 von 36-44 Zähnen im Wechsel. Die I1, I2, P2, P3, M2 und M3. 4×6 =24

Übersicht des Zahnwechsel

Besonderheiten:

Als Wolfszahn wird der erste Prämolare (P1) bezeichnet. Dieser ist nicht in jedem Pferdemaul angelegt. Ist er allerdings vorhanden, so ist es ein kleiner zurückgebildeter Zahn vor dem P2. Ist ein Wolfszahn angelegt erscheint dieser oft schon in den ersten 2 Lebensjahren, kann aber auch erst später durchbrechen.

Oftmals müssen diese gezogen werden, da das Gebiss anschlägt und es dem Pferd sehr unangenehm ist.

Auch sogenannte blinde Wolfzähne können Probleme bereiten. Sie liegen verdeckt unter dem Zahnfleisch und verursachen ebenfalls Schmerzen.

Haken und scharfe Kanten entstehen durch die natürliche Walzbewegung des Pferdemauls meist außen am Oberkiefer und innen am Unterkiefer. Die Backenzähne können so scharf und spitz werden, dass sie Zunge oder Wangenschleimhäute schmerzhaft verletzen und schwere Entzündungen hervorrufen können.

Einbiss am Eckschneidezahn

Als Einbiss bezeichnet man eine kleine Ecke am Eckschneidezahn (meist im Oberkiefer). Dieser bildet sich, da auch die Winkelung der Schneidezähne sich im laufe des Alters ändert, kann aber auch durch sonstige Fehlstellungen hervorgerufen werden. Erstmalig tritt ein Einbiss i.d.R. zwischen 8 und 12 Jahren auf. Dieser sollte bei der Routinekontrolle der Zähne mit entfernt werden.

Zahnstein bildet sich durch die Ablagerung von Mineralien aus dem Speichel und Bakterien auf der Zahnoberfläche. Zahnstein bildet sich meist am Hengstzahn, seltener an anderen Zähnen. Dieser sollte bei der normalen Zahnbehandlung mit entfernt werden, da er das Zahnfleisch reizt und so für Entzündungen sorgen kann.

Kontrollen durch einen Pferde-Dentisten oder Tierarzt sollten bis zum 5. Lebensjahr alle 6 Monate erfolgen und danach mindestens einmal im Jahr.

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