Überbaute Pferde heilen?

Überbaute Pferde – Was steckt dahinter und wie kann man helfen?

In der Pferdewelt hört man immer wieder den Begriff „überbautes Pferd“. Doch was genau bedeutet dieser Ausdruck, und vor allem: Wie können wir einem überbauten Pferd helfen? In diesem Artikel möchten wir diese Fragen beantworten und erklären, warum ein überbautes Pferd nicht einfach „so ist“, sondern dass es sich oft um ein ernstzunehmendes Problem handelt.

Was ist ein überbautes Pferd?

Der Begriff „überbaut“ beschreibt ein Pferd, dessen Widerrist niedriger ist als die Kruppe. Normalerweise sollte der Widerrist etwas höher als die Kruppe stehen. Ist dies nicht der Fall und der Widerrist befindet sich unterhalb der Kruppe, spricht man von einem überbauten Pferd. Diese Pferde haben also schon im Stand eine „bergab Haltung“.

Doch warum entwickeln Pferde diese Haltung? Die Ursachen sind vielfältig, und oft wird dies einfach hingenommen: „Das ist halt so.“ Doch tatsächlich ist dies ein Zustand, der oft durch unpassende Ausrüstung oder falsches Training verursacht wird.

Anatomie des Pferdes und die Auswirkungen auf den Rücken

Schauen wir uns die Anatomie genauer an: Der Widerrist wird durch die Dornfortsätze der Brustwirbel (3.-6. Brustwirbel) gebildet, die bei einigen Pferden bis zu 30 cm lang sein können.

Diese Dornfortsätze sind mit knorpeligen Wirbelkappen ausgestattet, die als Druckpolster dienen. Zusammen mit dem Nackenband, der Nackenplatte und dem langen Rückenband bilden sie ein stabiles Fundament für den Rücken des Pferdes.

Die Schultern des Pferdes sind ein weiteres wichtiges Element. Anders als bei uns Menschen hat das Pferd kein Schlüsselbein. Der Brustkorb ist rein muskulär zwischen den Vorderbeinen aufgehängt, was die Funktion als Stoßdämpfer zulässt. Der Rumpf kann sich nach unten und oben bewegen.

Was passiert bei einem überbauten Pferd?

Wenn ein Pferd aus verschiedenen Gründen (z.B. falsche Ausrüstung, Training oder Reitweise) in eine Schonhaltung verfällt, verändert sich die Körperhaltung. Der Widerrist sinkt nach unten, die Schultern werden angehoben und der Rücken beginnt durchzuhängen. Dies führt zu einer Überlastung der Vorhand und Trageerschöpfung.

In der Folge kommt es zu einer Überlastung bestimmter Muskelgruppen, vor allem der Schulter-, Brust- und Rumpfmuskulatur. Dies hat oft schwerwiegende Folgen:

  • Stolpern und Lahmheiten der Vorderbeine: Durch die falsche Haltung werden die Gelenke und Muskeln der Vorderbeine stärker belastet.
  • Muskelabbau der Rückenmuskulatur: Der Rücken wird immer schwächer, da die Muskulatur nicht richtig arbeiten kann.
  • Arthrose und Spondylose: Diese Erkrankungen betreffen vor allem die Gelenke und Wirbel des Pferdes und können durch falsche Belastungen gefördert werden.
  • Kissing Spines: Diese schmerzhafte Erkrankung tritt auf, wenn sich die Dornfortsätze der Wirbel gegenseitig berühren, was zu Entzündungen und weiteren Problemen führt.

Dies ist ein unvollständiger Teil der Brustwirbelsäule eines Pferdes. Massivste Spondylose der Wirbelkörper. Es kann KEINE Trennung der Wirbelkörper mehr erfolgen. Sie sind alle miteinander verknöchert.

So sollte jeder einzelne Wirbel tatsächlich aussehen. Einzeln und nicht mit dem Rest „verbacken“

Wie kann man einem überbauten Pferd helfen?

Das Gute ist: Ein überbautes Pferd muss nicht dauerhaft in dieser Haltung bleiben. Mit gezieltem Training und physiotherapeutischer Betreuung können diese Pferde oft wieder zu einer natürlichen und gesunden Haltung zurück finden.

Angepasstes Training: Ein auf das Pferd zugeschnittenes Training ist der erste Schritt zur Korrektur. Dabei sollte vor allem auf die Kräftigung der Brust- und Rumpfmuskulatur geachtet werden. Eine Verbesserung der Körperhaltung lässt sich durch gezielte Übungen an der Longe oder der Handarbeit vorbereiten und in den Sattel übertragen.

Physiotherapie und Osteopathie: Physiotherapeutische oder osteopathische Behandlungen können das überbaute Pferd dabei unterstützen, die festgehaltene Muskulatur zu entspannen und die Gelenke zu mobilisieren.

Auch die Lockerung der verklebten Faszien und das Lösen von Verspannungen können hier einen großen Unterschied machen.
Gerade der Bereich in dem die Halswirbelsäule in die Brustwirbelsäule, den CTÜ, übergeht kann von einem erfahrenen Therapeuten mobilisiert und gelöst werden.

Korrekte Ausrüstung: Unpassende Ausrüstung ist oft ein wesentlicher Faktor für eine ungesunde Haltung. Ein gut sitzender Sattel, der das Pferd nicht einengt oder auf den Rücken drückt, sowie eine passende Trense und ein gut sitzender Gurt sind für das Wohlbefinden des Pferdes entscheidend.

Fazit: Überbaute Pferde sind oft nicht „einfach so“

Ein überbautes Pferd sollte nicht einfach hingenommen werden. Vielmehr gilt es, die Ursachen zu finden und das Pferd mit einem angepassten Trainings- und Therapieansatz zu unterstützen.

Durch eine Kombination aus Physiotherapie, Osteopathie und gezieltem Training können viele überbaute Pferde ihre Haltung korrigieren und wieder zu einer gesunden, leistungsfähigen Position finden.

Wenn dein Pferd Anzeichen einer „überbauten“ Haltung zeigt oder du unsicher bist, ob es unter einer Trageerschöpfung leidet, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein erfahrener Physiotherapeut oder Osteopath kann den Zustand deines Pferdes genau beurteilen und ein individuelles Therapieprogramm erstellen, um das Pferd zu entlasten und seine Gesundheit zu fördern.

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