Physiotherapie

Überbaute Pferde heilen?

Was ist ein überbautes Pferd überhaupt?

Die Höhe des Widerristes wird mit der Höhe des Beckens verglichen und geschaut, welches von beiden höher steht. Im Idealfall, ist der Widerrist ein Stückchenhöher als das Becken. Ist die Höhe des Widerristes niedriger, als die des Beckens so nennt man solch ein Pferd „überbaut“. Sie stehen von grundauf schon „bergab“.

Oft höre ich: „Der ist halt so.“ Es wird einfach hingenommen. Aber warum ist das so?

Schauen wir doch mal unter das Fell.

Der Widerrist wird meist gebildet durch die Dornfortsätze des 3-6 Brustwirbels. Diese können bis zu 30 cm lang sein. (Das ist Länger als mein Unterarm.) Am oberen Ende sitzen knorpelige Wirbelkappen, die ein Druckpolster für den Dornfortsatz bilden. Diese können ebenfalls bis zu 5 cm hoch sein.

Das Nackenband, die Nackenplatte und das lange Rückenband verlaufen in diesem Bereich in einander über.

Am Rumpf anliegend ist die Schultergliedmaße – das Vorderbein- des Pferdes. Anders als bei uns Menschen besitzt das Pferd kein Schlüsselbein. So kann die Schulter als Stoßdämpfer fungieren. Der Brustkorb ist also rein muskulär aufgehangen und besitzt somit „Spielraum“ nach oben und unten.

Die wichtigsten Träger des Rumpfes:

Wie zu sehen ist, sorgt nicht die Rückenmuskulatur dafür, dass der Rücken nach oben kommt. Im Gegenteil, spannt sich die Rückenmuskulatur an, wird der Rücken hart. (Warum das so ist findest du ausführlicher HIER )

Fängt das Pferd an auf Grund unpassender Ausrüstung, Trainings- oder Reitweise in eine Schonhaltung zu verfallen passiert folgendes:

  • Um den Rücken bzw. den Widerrist zu schützen werden die Schultern hoch gezogen.
  • Der Rumpf sinkt zwischen den Schultern nach unten ab.
  • Der Widerrist sinkt also ebenfalls nach unten ab.
  • Eine beginnende Trageerschöpfung entsteht.
  • Das Pferd überlastet die Vorhand.
Dies ist ein unvollständiger Teil der Brustwirbelsäule eines Reitpferdes. Massivste Spondylose der Wirbelkörper. Es kann KEINE Trennung der Wirbelkörper mehr erfolgen. Sie sind alle miteinander verknöchert.

Oftmals sind die Pferde zu verspannt um aus ihrer Schonhaltung zu entkommen. Also bleiben sie in dieser Position hängen. Die Rumpfträger sowie die Bauchmuskulatur erschöpfen nach und nach. Andere Muskelgruppen werden überlastet um die Schonhaltung auszugleichen. Ein Teufelskreislauf entsteht und das Pferd beginnt wirkliche Probleme mit einer Trageerschöpfung zu bekommen:

  • Stolpern der Vorderbeine
  • Lahmheiten der Vorderbeine
  • Muskelabbau der Rückenmuskulatur
  • Arthrose der vorderen Gelenke wird begünstigt
  • Arthrose der Haslwirbelsäule wird begünstigt
  • Arthrose und Spondylose der Brustwirbelsäule wird begünstigt
  • Kissing Spines und eine Vielzahl weiterer Erkrankungen wird begüstigt
So sollte jeder einzelne Wirbel tatsächlich aussehen. Einzeln und nicht mit dem Rest „verbacken“

Angepasstes Training in Kombination mit einer physiotherapeutischen oder osteopathischen Betreuung können diesen Pferden deutliche Besserung bringen und oftmals das vermeindlich Überbaute in gewissen Maße bis vollständig korrigieren.

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